Velbert stirbt aus

Anfang Juni hat sich im sozialen Online Netzwerk „Facebook“ eine Gruppe unter dem Namen „Velbert stirbt aus“ gegründet, die nach ungefähr zwei wöchigem Bestehen schon über 750 Mitglieder verzeichnen kann. Schon in der Aufstellung der Sparliste der Stadtverwaltung im vergangenen Jahr ließen einige Maßnahmen eine „Absage an die Jugend“ erkennen, dieses Gefühl zieht sich wie ein roter Faden durch den Velberter Alltag.

Aktuell sind es nicht konkrete Handlungen seitens der Verwaltung, sondern das mangelnde Freizeitangebot in Velbert. Dieses wird in der Gruppe „Velbert stirbt aus“ diskutiert. Mitglieder aller Altersklassen sind dort vertreten, teilweise wohnhaft in Velbert, teilweise schon weggezogen. Das kommende große Projekt „Marktzentrum“ wird begrüßt, es stellt sich aber die Frage nach einem Konzept zur Handhabung mit den vielen Leerständen von Geschäftslokalen im ganzen Stadtgebiet. Insbesondere die Altersgruppe zwischen 14 und 25 fühlt sich im Stich gelassen. Auch der Langenberger Konzeptkünstler und frühere Vorsitzende des Kunsthauses Langenberg, Norbert Bauer, beklagt in einem Schreiben an den Bürgermeister, dass Bauruinen, Baustellen, Leerstände und Verwahrlosung das Bild einer sterbenden Stadt vermitteln (gem. WZ-Artikel). Diese Wahrnehmung wird durch die Äußerungen der Gruppenmitglieder „Velbert stirbt aus“ unterstützt:

„Velbert ist halb so groß wie der Friedhof von Chicago, aber dafür doppelt so tot.“

„Hat jemand gesehen wie viele fette Ratten auf dem Spielplatz an der Sparkasse herumlaufen? Tut Velbert eigentlich da mal was gegen?“

„Ich finde es schade, dass meine Kleinen zwischen Zigarettenkippen und Glassplittern auf einem Spielplatz spielen müssen, da diese abends als Treffpunkt vieler Jugendlicher zwischen 14 – 18 genutzt werden. Naja… wo sollen die denn auch hin?“

Was fehlt in Velbert ist ein Kino, eine Diskothek, eine gute Cocktailbar – Angebote die man hier vor Ort wahrnehmen kann und nicht in den umliegenden Städten wie Essen oder Wuppertal aufsuchen muss. Zudem würde eine solche Entwicklung auch einen Imagegewinn für die Stadt Velbert bedeuten. Mit der Planung eines zentralen Busbahnhofes ließen sich hier bestimmt Verbesserungen in der Anbindung im ÖPNV-Bereich erzielen, mit Besuchern aus den kleineren Nachbarstädten wie Heiligenhaus oder Wülfrath könnte gerechnet werden. Beste Voraussetzungen also um in einen Standort zu investieren, der auch für Nachtschwärmer etwas zu bieten hat. Doch die Bemühungen des Inhabers der Tanzschule Velbert hinsichtlich einer Diskothek in den Räumen der Tanzschule Velbert, die direkt an den künftigen Busbahnhof grenzen wird, stoßen bei der Verwaltung auf Granit. Im Moment stehen hier sogar die Velberter Stufen – und Abschlusspartys, wenn es nach der Verwaltung geht, auf der Abschussliste.

„Demografischer Wandel und dessen Folgen bedeutet nicht nur, dass man beste Voraussetzungen und Lebensbedingungen für ältere Menschen schafft, sondern bedeutet auch, dass den wenigen jungen Menschen Gehör geschenkt und ihren Bedürfnissen entsprechend ein attraktives Angebot geschaffen wird, um eine Abwanderung dieser in Großstädte zu verhindern. Dazu gehört auch ein familienfreundliches Angebot – man kann es ein „Rund-um-Paket“ nennen, um das Leben in Velbert attraktiver zu gestalten und so auch das Zusammenleben der Generationen zu fördern“, stellt die Vorsitzende der Jungen Liberalen Kathrin Klatzek fest. Sie begrüßt die Entwicklung der Diskussionen im Netz und wünscht sich mehr Beteiligung der jungen Leute in der Politik, um so Einfluss auf die Gestaltung des Angebotes hier vor Ort zu nehmen. Viele der jungen Leute wissen auch nicht, dass es öffentliche Sitzungen gibt, bei denen sie vorsprechen können. Eine weitere Möglichkeit wäre die Einrichtung einer Arbeitsgruppe zu diesem Thema, wie bereits die Tendenzen in der Gruppe erkennbar sind – sinnvoll mit Unterstützung durch die Verwaltung und der Wirtschaftsförderung, schlagen die JuLis vor.

Die Herstellung des Panorama Radweges„ der jetzt schon, obwohl er noch nicht eröffnet ist, sehr gut angenommen wird und auch der Spielplatz an der Höfer Str. eröffnen Familien wieder ein neues Freizeitangebot. Auch der Wasserspielplatz im Herminghauspark ist schön geworden.

„Der Dreck-Weg-Tag, bei dem wir im Herminghauspark gesammelt haben, hat uns allerdings schon einige Beschädigungen gezeigt. Ich hoffe, dass die Jugendlichen die Sachen, die die Stadt herrichtet in Zeiten knapper Kassen auch zu schätzen wissen. Ich hoffe seitens der Stadt geht es in diese Richtung weiter. Gleichzeitig hoffe ich aber auch, dass die Jugendlichen Ihre Wünsche äußern und sich dafür einsetzen, auch beim kommenden Bürgerentscheid zum Nizzabad“, so die Vorsitzende.

Vielleicht hat unser Bürgermeister Herr Freitag Interesse an einer lebhaften Diskussion – die Gruppe „Velbert stirbt aus“ läd ihn und alle interessierten Bürger hierzu ein.

Verfasserin: Kathrin Klatzek, Vorsitzende der JuLis Velbert

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